Exkursion: „Frühe Wintergäste an den Schönungsteichen der Kläranlage”

Bild von der Exkursion: Ingo Stiegemeyer erklärt das Spektiv
Ingo Stiegemeyer erklärt das Spektiv

Am Samstag, den 18. November organisierten wir eine Exkursion an die Schönungsteiche der Kläranlage. Unser fachkundiger Referent war diesmal erneut Herr Stiegemeyer vom NABU Weilerbach, der uns die verschiedenen Wasservögel zeigen und die Unterschiede erklären konnte. Zusätzlich erfuhren die knapp 30 Teilnehmer viel über das Verhalten der Vögel und über die Teiche der Kläranlage als Winterquartier.

Wie jedes Jahr bieten ab Oktober die Schönungsteiche auf dem Gelände der Kläranlage Kaiserslautern zahlreichen Wasservogelarten Lebensraum zum Rasten und Überwintern. Die Schönungsteiche bekommen ihr Wasser aus der Kläranlage, nachdem der technische Teil durch die Nachklärbecken abgeschlossen ist. Durch ihre große Oberfläche wird Sauerstoff eingebracht, und kleinste Partikel setzen sich am Grund ab.
Die Teiche sind ein gut besuchter Ort zur Überwinterung für Wasservögel, weil sie das ganze Jahr über Temperaturen von 9-20°C aufweisen und somit niemals zufrieren. Das zieht auch relativ seltene Arten an. So ist hier ganzjährig neben Reiherenten, die hier sogar brüten, der seltene Eisvogel zu beobachten. Auch der schöne Graureiher ist hier regelmäßig anzutreffen. Über den Winter kommen verschiedene nordische Entenarten, Taucher und sogar Kormorane hinzu.

Liste der Vögel, die wir bei der Exkursion gesehen und besprochen haben:

  • Reiherente
  • Tafelente
  • Krickente
  • Blesshuhn
  • Teichhuhn
  • Zwergtaucher (Schlichtkleid)
  • Graureiher
  • Eisvogel
  • Zaunkönig
  • Rotkehlchen

Bilder von unserer Exkursion:
(unterhalb der Bilder können Sie zur nächsten Serie weiter blättern, zum Vergrößern ein Bild anklicken und mit den Pfeiltasten oder einem Klick auf den rechten oder linken Bildrand vorwärts und zurück blättern)

Alle Bilder sind urheberrechtlich und nach dem "Recht am eigenen Bild" geschützt. Abgebildete Personen können die Bilder gerne in hoher Auflösung bei uns anfordern.


Rheinpfalz - 20.11.2006 : Mit dem Eisvogel langsam zum Teich

Mit dem Eisvogel langsam zum Teich

Mit Fernglas und praktischer Kleidung bei der vogelkundlichen Wanderung des NABU

Eine kleine Gruppe Menschen, alle mit Fernglas um den Hals und praktischer Kleidung, wartet in der viel zu milden Novembersonne darauf, dass sich das Tor der Kläranlage öffnet. Der NABU hat zur vogelkundlichen Wanderung an die Schönungsteiche eingeladen und ungefähr 20 Interessierte wollen etwas über die heimischen Wasservögel erfahren.

Viele Winterzieher machen auf den Schönungsteichen der Lauterer Kläranlage Zwischenstation. -FOTO: VIEW
Viele Winterzieher machen auf den Schönungsteichen der Lauterer Kläranlage Zwischenstation. -FOTO: VIEW

Mehr oder weniger langsamen Schrittes geht es vorbei an den stinkenden und sprudelnden Klärbecken. Unvorstellbar, dass aus dieser braunen Brühe irgendwann einmal wieder klares Trinkwasser werden soll. Eine rutschige Holzbrücke verbindet das Gelände dann mit der unbefestigten Uferzone der Teiche, in die das gereinigte Wasser geleitet wird. Bakterielle Prozesse sorgen dafür, dass das Wasser hier nie gefriert. Außerdem herrscht eine hohe Nährstoffdichte, so dass Enten, Gänse und Reiher hier genügend zu fressen finden.

Mit der Zeit haben sich die Teiche, die sich ein Stück weit ins Lautertal erstrecken, zu „Trittsteinen" für die Winterzieher entwickelt. Die Vögel landen zwischen, ruhen aus, fressen sich noch mal satt, ehe sie weiterziehen. Die Reiher-, Tafel- und Krickenten, die Blässrallen und Zwergtaucher, die an diesem Tag zu sehen sind, bleiben allerdings über Winter hier.

Die stattlichen Tafelenten mit ihrem kastanienbraunen Kopf zeigen Ingo Stiegemeyer, der die Gruppe führt, immer untrüglich den Frühlingsbeginn an: „Sie sind nur zu Zugzeiten in der Pfalz. Ende März, Anfang April sind sie auf einmal weg, dann ist der Frühling da", erzählt er von seinen Beobachtungen. Er baut ein Spektiv auf einem Dreibein auf, durch das die grünen Federn an den Flügelspitzen der Krickentenweibchen ganz deutlich zu sehen sind. Die charakteristische grüne Wangenzeichnung der Männchen ist auch durch ein normales Fernglas erkennbar.

Selbst durch ein ganz kleines, wie es David Strobel dabei hat. Der Siebenjährige interessiert sich für alle Tiere und ist Mitglied in einem Tierclub. „Es ist schon meine dritte Exkursion", berichtet er stolz. Mit Gummistiefeln und Halstuch, einer großen Umhängetasche und offenen Augen ist er gut ausgerüstet. In einem Notizbuch notiert er sich, was er alles sieht. Ingo Stiegemeyer, der Vogelkundler und Biologielehrer, freut sich über den jungen Teilnehmer. Schließlich sind das die zukünftigen Umweltschützer.

„Wir wollen den Leuten eine andere Sichtweise auf ihre Heimat vermitteln", erklärt er das Ziel des Nabu. Denn „die Leute sind eher bereit, sich für ein Tier einzusetzen, wenn sie es live gesehen haben". Dabei freut er sich natürlich über die „braunen Wattebäusche" von Zwergtauchern ebenso wie über den Graureiher, der mit zauseligem Brustgefieder auf einen Baum in sicherer Entfernung geflüchtet ist, aber aus seiner langjährigen Erfahrung weiß er, dass Aushängeschilder notwendig sind, um die Menschen zu locken.

Zum Beispiel der kleine Eisvogel mit seinem prächtigen eisblauen Kopfgefieder. Wer langsam genug mit ihm zum Teich gegangen ist, konnte sich schon auf dem Weg an dem „Hörgenuss" des Rufes des kleinen Vögelchens erfreuen. Aber auch alle anderen kommen auf ihre Kosten, denn der Fischjäger, der sich immer akustisch ankündigt, ehe er visuell in Erscheinung tritt, hat sich auf einer Buche am gegenüberliegenden Ufer niedergelassen. Mit dem Spektiv fängt Stiegemeyer einen Blick auf den kleinen Gesellen ein.

Auf Vogelexkursion: Ingo Stiegemeyer vom NABU erklärt dem siebenjährigen David Strobel die Vogelarten. -FOTO: VIEW
Auf Vogelexkursion: Ingo Stiegemeyer vom NABU erklärt dem siebenjährigen David Strobel die Vogelarten. -FOTO: VIEW

Immer wieder hören die Ornithologen auch andere Vögel, die unsichtbar in den Bäumen bleiben. Rechts trillert ein Zaunkönig sein scharfes, lautes Lied. „Aus Lust am Leben", vermutet Stiegemeyer, dass die frühlingshaften Temperaturen die Vögel zum Singen animieren. Dann fliegt noch eine Bachstelze als kleiner schwarzer Punkt über die Baumwipfel davon, ehe es über von Wildschweinen aufgewühlte Erde, Eicheln, Laub und querliegende Äste wieder zurück zum Schiebetor geht.

Mit dem Gefühl, teil gehabt zu haben an einem ganz kleinen Ausschnitt des unbedingt schützenswerten Reichtums der Natur, verlassen die Exkursionsteilnehmer die Kläranlage. Und freuen sich wie die Vögel an den wärmenden Sonnenstrahlen (Pola Schlipf).

Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Pfälzische Volkszeitung
Datum: Nr.269
Datum: Montag, den 20. November 2006
Seite: Nr.22