Interview in der RHEINPFALZ am 27.06.2012, Redakteurin D. Theato mit J. Reincke

Bild: Jürgen Reincke, der 1. Vorsitzende des NABU Naturschutzbund Kaiserslautern und Umgebung (© Agentur VIEW)
Jürgen Reincke, 1. Vors. NABU KL

Neue Schautafeln an der Lauter

Interview: Jürgen Reincke über ein Projekt des Naturschutzbundes und eine großzügige Spende

Seit gut zwölf Jahren fließt die ehemals begradigte Lauter im Lautertal in einem renaturierten Bachbett wieder kurvenreich und langsam. Damals aufgestellte erklärende Schautafeln sind längst in die Jahre gekommen oder verschwunden. Seit Jahren will der Naturschutzbund die Tafeln erneuern. Eine Spende hilft nun weiter. Die RHEINPFALZ hat sich mit Jürgen Reincke, dem Vorsitzenden des Nabu Kaiserslautern und Umgebung, über das Projekt unterhalten.

Der Nabu erhält von der karitativen Stiftung des Paketdienstleisters UPS umgerechnet etwa 29.100 Euro. Richtig?

Ja. Das war schon überraschend und ungewöhnlich. Wir wollten bereits 2009 mit Unterstützung der anliegenden Kommunen Kaiserslautern, Otterbach, der Verbandsgemeinde, dem Landkreis und der WVE Kaiserslautern den Schaupfad im Lautertal mit neuen Tafeln und neuem Inhalt erneuern. Damals bekamen wir die Finanzierung nicht hin.

Wie kommen Sie an die Spende?

UPS macht jedes Jahr einen Tag des gemeinnützigen Engagements. In den beiden vergangenen Jahren haben Mitarbeiter der UPS-Niederlassung im Einsiedlerhof uns bei Reparaturarbeiten an unserer Hütte und an der Staumauer eines unserer Teiche geholfen. Im Februar bekam ich einen Anruf von UPS Deutschland, dass sie nach den gut funktionierenden Helfertagen bereit wären, ein Projekt des Nabu Kaiserslautern mit etwa 30.000 US-Dollar zu unterstützen. Das war eine Riesenüberraschung, denn normalerweise hat jemand eine Idee und sucht dann, wie und mit wem er sie realisieren kann. Jetzt: Wir wollen Euch fördern - habt Ihr ein gutes Projekt?

Das Geld ist also projektgebunden?

Ja. Wir sind ein gemeinnütziger Verein und müssen darüber auch Rechenschaft ablegen. Lediglich ein kleiner Anteil ist zur Instandhaltung, beispielsweise nach Vandalismus. Dieser Anteil würde nach fünf Jahren für andere satzungsgemäße Zwecke frei.

Wird mit der Summe das gesamte Vorhaben im Lautertal abgedeckt?

Vermutlich nicht. Wir rechnen mit über 1500 Stunden ehrenamtlicher Arbeitszeit und fangen jetzt erst konkret mit den Planungen an. Außerdem wird der Nabu bei der Umsetzung auch von den Kommunen und insbesondere auch von der WVE gefördert. Das ermöglicht uns etwas Planungsflexibilität.

Sie ersetzen nur die ehemaligen zehn Schilder?

Nein. Zunächst wollen wir die Inhalte neu entwickeln und darstellen, was sich in den letzten zwölf Jahren hier an Natur entwickelt hat. Dazu gehört die Erfassung von einigen Tier- und Pflanzenarten durch Biologen. Die Tafeln werden den stabilen Konstruktionen unseres Naturwissenspfades Eselsbachtal entsprechen. Außerdem wollen wir zwei Insektenhotels und drei Eisvogelbruthilfen installieren.

Der Eisvogel kann sein Nest nicht alleine bauen?

Zwischen Kläranlage und Otterbach sind uns keine erfolgreichen Eisvogelbrutröhren bekannt. Bei Starkregen kann die Wasserhöhe in der Lauter um einen Meter ansteigen. Dann sind wohl alle Höhlen in den vorhandenen Steilufern überflutet. Wir wollen Brutkästen an geeigneten Uferbereichen aufbauen. Die sind höher und können je nach Erfolg oder Misserfolg später auch umgezogen werden.

Und was haben die Menschen von dem Projekt?

Das Gebiet ist sehr attraktiv und da sich die Natur dort weitestgehend sehr positiv entwickeln durfte, war das Gelände in den vergangenen Jahren ein regelmäßiger Ort für Exkursionen von Schulklassen und Studenten. Wir wollen eine Bereicherung für die Naherholung, für Tourismus und für Umweltbildung erreichen und für Insekten und Eisvögel etwas den Lebensraum ergänzen.

Bis wann ist damit zu rechnen?

Für ein Monitoring von Pflanzen oder Tierarten benötigt man mindestens eine Vegetationsphase. Daher planen wir mit rund eineinhalb Jahren. Eventuell kommen Insektenhotels oder Eisvogelbrutkästen bereits im nächsten Jahr. Wir gründen übrigens einen offenen Arbeitskreis und laden zum Mitmachen ein. (thea)

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Pfälzische Volkszeitung
Ausgabe: Nr.147
Datum: Mittwoch, den 27. Juni 2012
Seite: Nr.18
"Deep-Link"-Referenznummer: '9129935'
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Artikel in der RHEINPFALZ vom 27.06.2012:

Interview in der RHEINPFALZ am 27.06.2012, Redakteurin Doris Theato mit Jürgen Reincke , dem Vorsitzenden des NABU Kaiserslautern und Umgebung
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