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Aktuelles

05.09.2017, 12:43

Bilanz der Umweltverbände: Verkehrs-, Agrar- und Klima­politik unter Kanzlerin Merkel ohne Weitblick. Künftige Bun­des­regierung muss um­steuern

„Mit einer Land­wirt­schaft, die die Ge­wässer verseucht, einer Verkehrs­politik, die die Luft ver­giftet und einer Klima­politik, die Wirt­schafts­interes­sen statt des Klimas schützt, liegen die Heraus­forde­rungen auf der Hand. Mit Lippen­bekennt­nissen sind die umwelt­politi­schen Krisen nicht zu bewälti­gen. In der kom­menden Legis­latur­periode müssen end­lich die Ziele, die sich die Bundes­regie­rung ge­setzt hat, in kon­krete Maßnahmen über­setzt werden. Wer jetzt erneut auf die Strate­gie der langen Bank setzt, ohne die Pro­bleme im Kern an­zu­gehen, handelt grob fahr­lässig. So ver­liert nicht nur die Um­welt­politik jede Glaub­würdig­keit, sondern die Politik ins­ge­samt“, sagte DNR-Präsi­dent Kai Niebert. ...

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Schutz des Waldgebietes „Kranzeichen”

Das Waldgebiet „Kranzeichen” wird von uns inzwischen als Projekt in mehreren Jahren geführt (siehe unten). Wir haben wegen dem thematischen Zusammenhang und Überblick den gleichen Inhalt unter Projekte 2005 und unter Projekte 2006 dargestellt.

 

Der Eichenwald "Kranzeichen" ist mit seinem teilweise bis 300 Jahre alten Eichenbestand nicht nur ein in Rheinland-Pfalz einzigartiges Habitat in dem beispielsweise die "Rote Liste"-Arten Hirschkäfer und Mittelspecht als typische Indikatoren auftreten (vom Aussterben bedroht). Er ist auch ein Kulturdenkmal, denn er wurde einst zur Schweinemast gesät und früher wurden die Schweineherden sogar aus der Vorderpfalz hierher zur Eichelmast getrieben.

„In den Kranzeichen wächst ein knapp 290 jähriger Alteichenbestand mit Buchen gemischt. Der Bestand ist wohl der größte und letzte Eichenwald im Pfälzerwald in dieser Ausformung und Zusammensetzung. Mehrere Alteichen sind bereits abgestorben. Sie werden im Rahmen der von der städtischen Forstabteilung, im Einvernehmen mit dem Forstamt Kaiserslautern praktizierten, ökologisch orientierten, naturnahen Waldwirtschaft als sogenanntes "Totholz" erhalten, weil sie hervorragende Existenzgrundlage für viele 100 Käfer und zahlreiche Vogelarten sind."
(Pressemitteilung aus tl_files/clean_blue/images/link.gif http://www.wald-in-not.de/seiten/presse/fielmann.html vom 15.05.2000).


Exkursion mit Diskussionsveranstaltung am 17. Oktober 2005

Veranstaltung mit Monatstreff Oktober des NABU Kaiserslautern und Umgebung:
•  Zu welchem Ziel soll das Gebiet Kranzeichen entwickelt werden?
•  Soll und - falls ja - wie könnte ein langfristiger Schutz mit dem Entwicklungsziel eines Eichen-
    waldes im Gebiet Kranzeichen erreicht werden?"

Ab 18.00 Uhr fand zunächst eine Besichtigung des Gebiets "Kranzeichen" unter der fachkundigen und netten Führung durch die Leiterin des Forstamts Kaiserslautern, Frau Dr. Ute Fenkner-Gies, statt.

Im Anschluss ab 20.00 Uhr trafen sich die Exkursionsteilnehmer und nachgekommene Naturschützer und Fachleute zur Besprechung. Durch die Diskussion mit Fachleuten aus Verwaltung, Forst, Naturschutz, den Vertretern und Mitglieder der verschiedenen Naturschutzorganisationen sollte interessierten Gästen und Mitgliedern die Möglichkeit der Meinungsbildung zum Waldgebiet der "Kranzeichen" geboten werden.

Eingeladen hatte der NABU Kaiserslautern und Umgebung, der auch durch seinen Vorsitzenden Jürgen Reincke die Veranstaltung und Diskussion moderierte. Als Veranstalter haben wir uns sehr über die Teilnahme von rund 30 Fachleuten und interessierten Bürgern gefreut. Anwesend waren z.B.:
•  Herr Dr. Sprengel, Obere Forstbehörde bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD Süd)
•  Frau Dr. Ute Fenkner-Gies, Leiterin des Forstamts Kaiserslautern
•  Frau Dr. Balcar, Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz, Spezialgebiet
    Naturwaldreservate
•  Herr Dr. Maurer,  Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz, Spezialgebiet
    Genressourcen und Forstpflanzenerzeugung
•  Herr Dr. Kusch, Abteilung Ökologie im Fachbereich Biologie der TU Kaiserslautern
•  ein großer Teil der Mitglieder des Beirats für Landespflege der Stadt Kaiserslautern und ein großer Teil der
    Mitglieder des Beirats für Landespflege des Kreises Kaiserslautern
•  Mitglieder und Vorstände von Pollichia, GNOR, BUND, Naturfreunde, NABU (z.B. Herr Dr. Schlappkohl,
    Herr Dr. Schorr, Herr Nägle, Herr Müller, Herr Dr. Schindler, Frau Gramoll, Hr. Reincke, Hr. Müller (2+3),
    Hr. Schmidt, ...)

Von allen Anwesenden einvernehmlich verabschiedet wurde der während der Diskussion aufgekommene Gedanke des Antrags auf den Schutzstatus „Biotopschutz”. Wir freuen uns sehr und sind auch etwas stolz auf das einvernehmliche Ergebnis der vom NABU organisierten Veranstaltung.


Antrag auf Biotopschutz am 10. Januar 2006

Der BUND beantragt für den AK Naturwald Kaiserslautern (BUND, GNOR, NABU, Naturfreunde, Pollichia) die Unterschutzstellung der Kranzeichen im Rahmen des Biotopschutz (Landeswaldgesetz). Die Waldabteilung würde hierbei als Eichenwald geschützt, Fällungen von Buchen und Pflegemaßnahmen wären also erlaubt.

Hiermit wurde auch der vom Stadtrat getroffenen Begründung für den Eingriff in den zuvor unter Hiebsruhe stehenden Wald gefolgt. Nach Ansicht aller Anwesenden würde durch den Schutztyp "Biotopschutzwald" eine umfassend konsensfähige Zieldefinition des Gebietes festgeschrieben, an der sich zukünftig die jeweiligen Eingriffe und Pflegemaßnahmen überprüfen lassen müssen. Die dafür notwendige Beschreibung des gewünschten Habitats würde im Rahmen der Ausweisung von SGD Süd gemeinsam mit der Stadt Kaiserslautern erfolgen. Alle Beteiligten waren daher der Überzeugung, dass dieser Antrag auch politisch in Kaiserslautern Konsens fähig sein müsste.


Zustimmung vom Naturschutzberiat am 18. Januar 2006

Im Beirat für Naturschutz der Stadt Kaiserslautern wird der Antrag mit Zustimmung beraten.


Anfrage an die Stadtverwaltung Kaiserslautern am 14. Februar 2006

Der Antrag wird in einem Schreiben von der SGD Süd (Hr. Dr. Sprengel) an die Stadtverwaltung Kaiserslautern zur Beratung und Stellungnahme gesendet.


November 2006: ... und da ist er noch

Bild: gefällte Eiche
gefällte Eiche in den „Kranzeichen”

Seit Anfang November wird begonnen die genehmigten Bäume im Gebiet der Kranzeichen zu fällen. Die Naturschutzverbände BUND und NABU Kaiserslautern kritisieren nicht die Genehmigung, sondern die wenig schonende Vorgehensweise.

Die Aussage von Jürgen Reincke, dem Vorsitzenden des NABU Kaiserslautern: „Durch möglichst effiziente Arbeitsweise, anstatt sich mit möglichst schonender Arbeitsweise am gemeinsamen Ziel von Stadtrat, Naturschutzverbänden und den anderen Beteiligten zu orientieren, wird der ökologische Zustand und der Charakter als soziales und kulturelles Denkmal unnötigerweise und unwiederbringlich zerstört".

Der BUND fragt sich, ob schnell vor der Umsetzung des Antrags als Biotopschutzwald hier agiert wird, denn danach müssen alle Eingriffe wesentlich stärker am langfristigen Ziel des Erhalts geprüft und auch durchgeführt werden.

Als Ergebnis der vom BUND und vom NABU KL initiierten Berichterstattung in der Rheinpfalz am 17.11.06 (siehe unten) werden die Fällungen zunächst gestoppt und vom Forst eine gemeinsame Begehung zur Besprechung der Vorgehensweise geplant.

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Linkes Foto: Gestern fotografiert: das gelichtete Waldgebiet Kranzeichen mit den gefällten Bäumen
Rechtes Foto: Im September 2001 an der selben Stelle fotografiert: Noch herrschte Hiebsruhe
Beide Fotos: Copyright Agentur VIEW

Kranzeichen: Kettensägen wüten

Rheinpfalz - 17.11.2006

Naturschutzverbände schlagen Alarm: Kein Pflege-, sondern ein Ernteeingriff

„Die Kettensägen wüten in der Waldabteilung Kranzeichen": Die Kritik von Naturschutzverbänden richtet sich jedoch nicht dagegen, dass Bäume gefällt werden. Das sei Beschluss des Stadtrats gewesen. Die Kritiker monieren allerdings, dass der Einschlag momentan zu unsensibel erfolge und dass zu viele Bäume zu schnell geschlagen würden. Es handele sich nicht um einen Pflege-, sondern um einen Ernteeingriff.

Die Diskussion um den Bestand in dem knapp 300-jährigen Traubeneichen-Bestand hat 2001 begonnen, als die Stadtverwaltung im Stadtrat die Pläne für Fällungen in dem 19 Hektar großen Waldstück vorstellte, um das Defizit im Forsthaushalt zu verringern. 2003 fielen die ersten Eichen, bis dahin standen die Bäume 40 Jahre lang unter Hiebsruhe. In dem Gebiet im südlichen Stadtwald soll es nach den Plänen bis 2011 möglich sein, insgesamt 308 Festmeter Eichen und 1290 Festmeter Buchen zu nutzen (wir berichteten mehrfach).

Um die Fällungen an sich geht es den Naturverbänden nicht. Holger Schindler und Siglinde Gramoll vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie Jürgen Reincke vom Naturschutzbund für Kaiserslautern und Umgebung (NABU) schlagen Alarm über die Art und Weise, wie die Forstverwaltung vorgeht. Schindler: Der Einschlag ist „nicht sensibel, nicht ökologisch, nicht im Sinne eines Biotopschutzwaldes und nicht im Sinne kommender Generationen". Im Wald müssten die Punkte Naturschutz, Wirtschaftlichkeit und Erholung gegeneinander abgewogen werden, momentan jedoch werde der Wirtschaftlichkeit der Vorrang gegeben.

Reincke belegt das mit einer Anfrage an den Beigeordneten Günter Remler, die er im April gestellt hat, und die im Oktober beantwortet wurde: Im Forstwirtschaftsjahr 2004 seien 117,3 Festmeter Eiche und 129,52 Festmeter Buche geschlagen worden. Für das Forstwirtschaftsjahr 2006 nennt Remler 130,54 Festmeter Eiche und 91,18 Festmeter Buche, die genutzt worden seien. Danach könnten bis zum 30. September 2011 noch 60 Festmeter Eiche und 1069 Festmeter Buche eingeschlagen werden.

Gramoll kritisiert besonders die wenig schonende Vorgehensweise bei den Fällungen. Denn es seien etliche Eichen geschlagen worden, die keinen hohen wirtschaftlichen Ertrag bringen, aber für den Naturschutz wertvoll sind. Ihr Totholz - gerade stehendes Totholz sei selten - werde von Insekten, Fledermäusen und Vögeln bewohnt. Daher steht nach Meinung Gramolls der zu erwartende Gewinn nicht im Verhältnis zum Wert, der für die Natur und die Wanderer verloren geht.

Einen weiteren Kritikpunkt führen die Naturschützer mit der Ausweisung des Kranzeichen-Gebiets als Biotopschutzwald an. Seit Januar liege der SGD Süd in Neustadt der Antrag auf Unterschutzstellung der Waldabteilung Kranzeichen als Biotopschutzwald vor. Gestellt hat den Antrag der Arbeitskreis Naturwald Kaiserslautern, eine Arbeitsgemeinschaft von BUND, GNOR, NABU, Naturfreunde und Pollichia. Die SGD Süd habe diesen Antrag, der die Vorgaben der Forsteinrichtung nicht gefährde, unterstützt. Seit Februar liege der Antrag bei der Stadt als Waldeigentümerin zur Stellungnahme vor.

Schindler vermutet, dass vor der Unterschutzstellung noch vollendete Tatsachen geschaffen werden sollten. Der zuständige Revierförster orientiere sich nur an der kurzfristigen Wirtschaftlichkeit. Eine solche Vorgehensweise könne man nicht hinnehmen, sie sei auch eine Brüskierung der Öffentlichkeit, die sich für den Bestand stark gemacht habe. (ita)

Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Pfälzische Volkszeitung
Datum: Nr.267
Datum: Freitag, den 17. November 2006
Seite: Nr.15

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Buchenfällung geht in Ordnung

Rheinpfalz - 18.11.2006

Fenkner-Gies zu Kranzeichen

Der Bucheneinschlag in der Waldabteilung Kranzeichen geht in Ordnung. Die Maßnahme sei mit ihr abgestimmt worden, erklärte gestern Ute Fenkner-Gies, Leiterin des Forstamts Kaiserslautern, in ihrer Funktion als Fachaufsicht für den städtischen Forst. Die Planung für den Eicheneinschlag sei mit ihr nicht besprochen worden. Es sei nicht geplant gewesen, Eichen zu entnehmen. Hier sei die Stadt als Waldeigentümerin auch schon fast an der Grenze der bis 2011 genehmigten 300 Festmeter angelangt. Wie gestern berichtet hatten sich Naturschutzverbände beklagt, dass in der Waldabteilung zu viele Bäume zu schnell und zu unsensibel geschlagen würden.

Fenkner-Gies erläuterte, der Eingriff bei den Buchen sei in Ordnung, auch wenn er „im Moment scharf aussieht". Bei den Buchen sei bisher auf einer kleineren Fläche etwa ein Drittel der genehmigten Bäume gefällt. Jetzt sollte man zwei bis drei Jahre Ruhe halten. Man müsse sehen, ob sich an der Stelle Eichen verjüngten. Sie erklärte, die Buche sei ein Schattenbaum, die Eiche dagegen eine Lichtbaumart. Deshalb habe man Buchen gefällt, um den Eichen eine Chance zu geben. „Wir brauchen für die Eichen Licht auf dem Boden."

Die Forstamtsleiterin schlägt vor, eine Wanderung zu der Waldabteilung Kranzeichen zu machen, wenn der Hieb abgeschlossen ist. Die Begehung könne man dann im Frühjahr, wenn die Bäume ausschlagen, wiederholen.

Von Oberbürgermeister Bernhard Deubig als Dezernatsleiter des Referats Grünflächen war gestern keine Stellungnahme zu erhalten.

Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Pfälzische Volkszeitung
Datum: Nr.268
Datum: Samstag, den 18. November 2006
Seite: Nr.17

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Bilder aus den "Kranzeichen", die wohl deutlich deie Notwendigkeit unserer Aufmerksamkeit dokumentieren:

Foto 1 Baum mit fast nur Totholz und Spechthöhle.
Foto 2 Gefällte Eiche mit nur kleinem, verwertbaren Stück Stamm (unter 200,- EUR) und großer Krone, in einem hellen, lichten Bereich, d.h. auch Helligkeitsgründe nicht nachvollziehbar.
Foto 3 Baum mit fast nur Totholz. Der Stamm gabelt sich in 4 Stämme von jeweils ca. 40-50cm Durchmesser in rund 16m Länge (war ökologisch wertvolles, stehendes Totholz).
Foto 4 Vom gleichen Baum sehen Sie hier die Fortsetzung zur Wurzel. Hier erkennen Sie das fehlende, nutzbare Stück vom Stamm (hinter dem krummen Ast sieht man die Fortsetzung). Das verwertbare Stück waren ca. 6m Stamm, also von der Länge bestenfalls ein Siebtel, allerdings ohne Berücksichtigung der vierfachen Verzweigung.
Foto 5 Einer der 4 Teilstämme enthielt eine große Spechhöhle ...
Foto 6 ...an deren linkem, unteren Rand (war mal unten) Sie noch deutlich die Abrundung durch die Bearbeitung erkennen können.

11.12.2006 Geplanter Termin zur Beratung des Antrags

Geplanter Termin zur Beratung des Antrags die "Kranzeichen" als Biotopschutzwald auszuweisen zwischen Oberbürgermeister Deubig, Dr. Sprengel (SGD-Süd als offizieller Antragsteller für die Ausweisung), Forstamtsleiterin Dr. Fenkner-Gies, ...


16.12.2006 Presseerklärung von Herr Dr. Weichel, des Präsidenten der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd

Presseerklärung von Herr Dr. Weichel, des Präsidenten der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD-Süd und noch obere Forstaufsichtsbehörde) zur Entschließung über den Antrag auf Schutzstatus Biotopwald. In diesem Zusammenhang erwähnen wir gerne, dass Herr Dr. Weichel auch Mitglied in unserem Vorstand des NABU Kaiserslautern und Umgebung ist. Wir freuen uns allerdings auch, dass Herr Deubig, der Oberbürgermeister von Kaiserslautern und somit quasi "der Eigentümer" des Stadtwaldes mit dem Schutzkonzept einverstanden ist und dass statt der ursprünglich geplanten 19 Hektar sogar 69 Hektar als Biotopschutzwald ausgewiesen werden.

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Kranzeichen jetzt Biotopschutzwald

Rheinpfalz - 16.12.2006

Weichel: Naturnaher Waldbau

Unter Schutz: Die Waldabteilung „Kranzeichen" im Stadtwald wird als Biotopschutzwald ausgewiesen. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD) in Neustadt hat das Gebiet per Rechtsverordnung unter Schutz gestellt. SGD-Präsident Klaus Weichel: „Eine gute Sache und ein gangbarer Weg für naturnahen Waldbau." Der Arbeitskreis Naturwald Kaiserslautern, der aus fünf Naturschutzverbänden besteht, hatte die Ausweisung beantragt.

Mit dem Siegel Biotopschutzwald, das auf Basis einer Rechtsverordnung nach dem Landeswaldgesetz erteilt wird, steht naturnaher Waldbau im Vordergrund der Bewirtschaftung, erklärt der SGD-Präsident. Oberbürgermeister Bernhard Deubig ergänzt, er habe im Namen der Stadt als Eigentümerin des Areals die Unterschutzstellung befürwortet. Allerdings müsse der Stadtrat noch zustimmen. Er wolle den Ratsmitgliedern das Vorhaben im Januar zur Zustimmung vorlegen. Die fünf Naturschutzverbände, die Mitte November die unsensiblen Fällungen des Forsts kritisiert und bereits im Januar die Ausweisung als Biotopschutzwald gefordert hatten, sind: Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie (Gnor), der Naturschutzbund (NABU), die Naturfreunde und Pollichia.

Erhaltung der biologischen Vielfalt sowie Erholung und Naturerlebnis für die Bürger: Das sind die Ziele nach den Worten Weichels, die durch die Unterschutzstellung des Eichenwalds im Süden der Stadt „langfristig und nachhaltig" gesichert werden. Die Eichen sollen erhalten werden, indem Buchen weichen müssten. Jüngere Eichen sollen nachhaltig geschützt werden, „damit sie zu Altbeständen werden", erläutert Weichel.

Eine forstwirtschaftliche Nutzung bleibt weiterhin möglich, muss sich aber an den festgelegten Bewirtschaftungsgrundlagen orientieren, stellt Weichel klar. Der Eichenwald müsse auch deshalb gepflegt werden, um zu verhindern, dass er sich langfristig zu einem Buchenwald entwickle. Neben solchen ökologischen Sachzwängen würden Naturschutzbelange berücksichtigt. Weichel nennt die Erhaltung von alten und dicken Eichen als Biotopbäume sowie die Erhaltung von Totholz. Der Tierartenschutz werde ebenfalls berücksichtigt. Alles zusammen sichere den Bestand des Gebiets Kranzeichen, das bei der Lauterer Bevölkerung geschätzt sei.

Der künftige Biotopschutzwald umfasst nicht nur den etwa 19 Hektar großen Altbestand, der einmal als Kernzone des Biosphärenreservats im Gespräch gewesen sei, erinnert der Präsident an verworfene Pläne. Zu den „Kranzeichen" zählten darüber hinaus auch alle unmittelbar angrenzenden, vielfach auch jüngeren Eichenbestände, womit man insgesamt auf 69 Hektar komme.

Die Rechtsverordnung biete einen „angemessenen Interessenausgleich zwischen den öffentlichen Interessen und den Eigentümerbelangen", wozu Weichel Erholung, Naturerlebnis, Naturschutz und nachhaltige Nutzung zählt. Die Verordnung könne zwar von der SGD wieder aufgehoben werden, ergänzt Weichel, aber: „Warum sollte man? In der Forstwirtschaft denkt man in Jahrhunderten." (ita)

Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Pfälzische Volkszeitung
Datum: Nr.292
Datum: Samstag, den 16. Dezember 2006
Seite: Nr.19

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An einem Strick gezogen

Rheinpfalz - 16.12.2006

Stadtgespräch:

Gekämpft haben auch die fünf Naturschutzverbände, die jetzt erreicht haben, dass das Waldgebiet „Kranzeichen" als Biotopschutzwald ausgewiesen wird. Jeder weiß, dass den Lauterern ihr Wald am Herzen liegt. Selbst drei Jahre nach den ersten Baumfällungen in den „Kranzeichen" haben sie ein Auge auf das Areal. Dass sich nun die beiden Rivalen um das OB-Amt, Bernhard Deubig und Klaus Weichel, in die erste Reihe drängen, zeigt, dass sie wissen, wie wichtig der Wald den Lauterern ist. Dass die Lauterer aber selber im Wald nach dem Rechten sehen und all die Jahre aufgepasst haben, verdeutlicht einmal mehr, dass es mit dem Vertrauen in das rechte Tun der Obrigkeit nicht mehr allzu weit her ist. Aber immerhin: In diesem Fall haben alle an einem Strick gezogen. Zum Wohl der Pfalz! (ita)

Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Pfälzische Volkszeitung
Datum: Nr.292
Datum: Samstag, den 16. Dezember 2006
Seite: Nr.18

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19.12.2006 Und nun kam das!

Zu diesem Zeitpunkt waren wir erleichtert, dass nun Rücksicht und Nachhaltigkeit unter Berücksichtigung aller Interessen in den Kranzeichen erreicht wäre. Doch weit gefehlt, denn es reicht nicht die gemeinsamen Ziele zu formulieren und in einem Konzept (gemeinsame Ausweisung Biotopschutzwald) zu ratifizieren. Es muss dennoch von allen Beteiligten entsprechend umgesetzt werden.

Und nun kam das:

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Forstwirtschaftsplan im Rat beschlossen

Rheinpfalz - 19.12.2006

Kaiserslautern Kompakt

Der Stadtrat hat gestern den Forstwirtschaftsplan 2007 beschlossen. Einnahmen von 361.750 Euro stehen Ausgaben von 417.250 Euro gegenüber. Geplant ist der Einschlag von 6500 Festmeter Nutzholz. Das Hauptaugenmerk richtet sich auf das Zurückdrängen der stärkeren Buchen in den Kranzeichen.

Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Pfälzische Volkszeitung
Datum: Nr.294
Datum: Dienstag, den 19. Dezember 2006
Seite: Nr.18

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Und am folgenden Tag (passt wie die Faust auf´s Auge):

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Übergabe an Käfer und Pilze

Rheinpfalz - 20.12.2006

„Kranzeichen"-Verordnung vorgestellt - Keine Einschränkungen für Spaziergänger und Radfahrer

Wenn die „Kranzeichen" als Biotopschutzwald ausgewiesen werden, bedeutet das keine Einschränkungen für die Naherholung der Bürger. Das haben Vertreter der Stadt und der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd gestern im Casimirsaal erklärt. Dort wurde die Rechtsverordnung vorgestellt, mit der die „Kranzeichen" unter Schutz gestellt werden.

Wenn der Stadtrat Anfang des nächsten Jahres seine Zustimmung erteilt, wird das 69 Hektar große Gebiet um die „Kranzeichen", wie berichtet, als Biotopschutzwald ausgewiesen; mit dem Ziel, die alten Eichenbestände zu erhalten. Buchen, die nachwachsenden Eichen das Licht wegnehmen, werden entfernt, alte Eichen dürfen nur noch begrenzt gefällt werden.

Die Stadt sei seit der Schenkung des Stadtwaldes durch König Albrecht im Jahr 1303 Eigentümerin der „Kranzeichen", erklärte Oberbürgermeister Bernhard Deubig. Sie bleibe auch weiter Eigentümerin und sei zuständig für die Bewirtschaftung des Waldes. Eine Unterschutzstellung des Waldes sei nur mit Zustimmung der Stadt möglich, betonte Deubig. Die „Kranzeichen" werden nach seinen Worten der erste Biotopschutzwald in Rheinland-Pfalz. Das Gesetz sehe zwar die Ausweisung vieler solcher Schutzwälder vor, aber bis jetzt sei keine zustande gekommen. Die Gemeinden sperrten sich eher dagegen.

Nach den Worten von Thomas Sprengel von der Zentralstelle der Forstverwaltung bei der SGD Süd ist ein Biotopschutzwald „so etwas ähnliches wie ein Naturschutzgebiet". Die Verordnung regele drei maßgebliche Dinge. Im Unterschied zu einer Kernzone, in der keine Nutzung oder Pflege mehr möglich ist, sei eine angepasste Nutzung weiter möglich. Die Verordnung schreibe außerdem fest, dass die Waldabteilung ein Eichenwald bleibe. „Würde der Mensch nichts tun, würde sich der Wald langfristig zu einem Buchenwald entwickeln", erklärte Sprengel. Jetzt sei ein Naturschutzniveau festgeschrieben, das über den Standard hinausgehe. Forstwirtschaftliche Nutzung sei weiter möglich, aber die Bäume würden durch die Verordnung an Käfer und Pilze übergeben.

Sprengel bezeichnete die Unterschutzstellung als einen angemessenen Kompromiss, der die wirtschaftlichen Interessen der Stadt, die Wünsche der Lauterer Bevölkerung sowie die Bedürfnisse von Flora und Fauna berücksichtige. Die Wege in den „Kranzeichen" seien weiter von Fußgängern, Radfahrern und Reitern benutzbar, Spaziergänger könnten auch quer durch den Wald laufen, was in einer Kernzone nicht möglich sei.

Nach den Worten von Ute Fenkner- Gies, Leiterin des Forstamts Kaiserslautern, müssen in den Altbeständen mindestens zehn dicke Eichen pro Hektar als Biotopbäume stehen bleiben. Das Totholz dürfe nicht geschlagen werden, die Kronen geernteter Eichen müssten liegen bleiben. Das eigentliche Gebiet der „Kranzeichen" umfasse nur knapp ein Drittel der Biotopfläche, drumherum seien jüngere Eichenbestände im Alter zwischen 25 und 40 Jahren. Sie könnten in 100 Jahren die ökologische Funktion der „Kranzeichen" übernehmen.

Beigeordneter Günter Remler erklärte, die „Kranzeichen" seien nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel, sondern ökologisch sehr wertvoll. Ein Biotopschutzwald sei maßgeschneidert für die Erhaltung der seltenen Waldgesellschaft.

Nach den Worten von Günter Friedrich, Direktor des Grünflächen-Referats, haben etwas mehr als acht Prozent des Stadtwaldes nun Schutzcharakter. Die Stadt verzichte damit auf einen Teil ihrer forstwirtschaftlichen Nutzung. Man müsse deshalb auch damit leben, dass der Forsthaushalt nicht mehr ausgeglichen sein werde.

Deubig erklärte, die Einschränkungen bei der Forstwirtschaft kosteten die Stadt auf Dauer von 100 Jahren täglich drei Euro. Mit der Unterschutzstellung verzichte sie für die Ewigkeit auf eine Ausdehnung Richtung Südosten. (dür) Einwurf Lokalseite 1

Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Pfälzische Volkszeitung
Datum: Nr.295
Datum: Mittwoch, den 20. Dezember 2006
Seite: Nr.14

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Den nicht gerade genialen Kommentar des Redakteurs Dürnberger wiederholen wir hier nicht (Einwurf Lokalseite).

20.12.2006 Unsere Antwort auf die Pressekonferenz von Oberbürgermeister Deubig

Auf die Darstellung der Pressekonferenz von Oberbürgermeister Deubig, bei der es offensichtlich am Wichtigsten war, dass dort weiter spazieren gehen und Fahrrad fahren möglich ist und dass der Naturschutz wieder als Gegensatz der städtischen Ökonomie dargestellt wird, haben wir mit dem folgenden Presseartikel geantwortet. Allerdings ist es sehr zu begrüßen, dass das Gebiet des Biotopschutzwaldes auf 69 Hektar erweitert wird. Jetzt gilt es, das Schutzkonzept so zu interpretieren, dass es nicht einfach mit der Nutzung unverändert rücksichtslos weiter geht!

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„Einzäunen und in Ruhe lassen”

Rheinpfalz - 22.12.2006

Naturschutzbund zur Ausweisung der „Kranzeichen" als Biotopschutzwald: Guter Kompromiss

Guter Kompromiss: Der Naturschutzbund Kaiserslautern (Nabu) freut sich über die Ausweisung des Waldgebiets „Kranzeichen" als Biotopschutzwald (wir berichteten). Doch wollen die Naturschützer auch weiterhin ein Auge darauf haben, ob die Waldwirtschaft zukünftig bei den genehmigten Baumfällungen möglichst schonend agiert. Der Arbeitskreis Naturwald Kaiserslautern, dem fünf Naturschutzverbände angehören, hatte vor der Ausweisung den unsensiblen Einschlag in den „Kranzeichen" kritisiert.

Es ist ein großer Unterschied für die Ökologie, ob Bäume schonend entnommen werden oder ob die Fällung reichlich unsensibel erfolgt, konstatiert Jürgen Reincke, Vorsitzender des Nabu. Auch Forstamtsleiterin Ute Fenkner-Gies habe die Fällungen als „im Moment scharf aussehend" bezeichnet und geraten, „das Waldstück erst einmal zwei bis drei Jahre in Ruhe zu lassen. Man müsse sehen, ob sich an der Stelle Eichen verjüngen" (wir berichteten).

Hier setzt eine andere Kritik des Nabu ein. Alle Fachleute seien sich einig, so Reincke, dass Selbstaussaat und Verjüngung nur in eingezäunten Gebieten möglich sei. „Sonst ist der Wildverbiss zu stark." Deshalb fordert der Nabu von der Stadt: „Wenn die Selbstaussaat von diesem Jahr noch genutzt werden soll, um in zwei bis drei Jahren junge Eichenschösslinge zu haben, muss das jetzt gelichtete Gebiet schnellstmöglich gegen Wildschweine eingezäunt werden. Hier kann die Stadt als Eigentümerin des Waldes zeigen, wie ernst es ihr mit dem Biotopschutzwald ist", fordert Reincke zu weiterem Handeln auf.

Als nicht nachvollziehbar bezeichnet es der Nabu-Vorsitzende, dass dem Stadtrat einen Tag vor der Schutzausweisung der „Kranzeichen" ein Forstwirtschaftsplan vorgelegt worden sei, in dem das Hauptaugenmerk bei den Einnahmen auf das Zurückdrängen der stärkeren Buchen in den „Kranzeichen" liege. Der Nabu teilt nach den Worten Reinckes die Auffassung von Forstamtsleiterin Fenkner-Gies, dass das Waldstück erst einmal in Ruhe gelassen werden sollte und statt einer Fällung von Buchen das bereits bearbeitete Gebiet eingezäunt und beobachtet werden sollte. Reincke fragt: „Wie kann der Bürger die Politik respektieren, wenn vorgestern die Hiebsruhe aufgehoben, gestern grob gefällt, heute stolz ein Schutzgebiet ausgewiesen und morgen dort die Haupteinnahme des Forsthaushalts gesucht wird?"

1100 Euro im Jahr an Nutzungsausfall könnten wohl nicht der Grund dafür sein, warum der Forsthaushalt nicht mehr ausgeglichen werden könne. Damit bezieht sich Reincke auf die Aussagen von Oberbürgermeister Bernhard Deubig und Referatsleiter Günter Friedrich. Bei der Ausweisung zum Biotopschutzwald sei gesagt worden, die Stadt verzichte damit auf drei Euro Einnahmen pro Tag. Reincke erklärt, die Naturschutzverbände würden seit Jahren die Kooperation von Ökologie, Erholung, Tourismus und Ökonomie als Bausteine der Nachhaltigkeit anerkennen. Die Politik prangere Naturschutz jedoch häufig nur als Schuldigen für wirtschaftliche Verluste an. Reincke: „Es sind gleichberechtigte Interessen."

Nichtsdestotrotz seien die Naturschutzverbände stolz darauf, „einen Teil zu der Schutzausweisung beigetragen zu haben". Der Arbeitskreis Naturwald hatte im Januar die Ausweisung der „Kranzeichen" als Biotopschutzwald bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD) beantragt. Dass sogar 69 statt der beantragten 19 Hektar ausgewiesen wurden, begrüßt der Arbeitskreis. Mit dem Status als Biotopschutzwald sei ein guter Kompromiss zwischen dem langfristigen Erhalt des Eichenwaldes mit Totholzanteil für vom Aussterben bedrohte Tiere bei gleichzeitiger weiterer Nutzung zur Naherholung und zu kontrollierter, nachhaltiger Waldwirtschaft gefunden worden, urteilt Reincke. (ita)

Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Pfälzische Volkszeitung
Datum: Nr.297
Datum: Freitag, den 22. Dezember 2006
Seite: Nr.16

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15.04.2007 Erfassung der Bäume mit Höhlen oder Spalten

Bild: NABU und GNOR auf der Suche nach Höhlen und Spalten
NABU und GNOR aktiv

Mitglieder der Naturschutzverbände BUND, GNOR und NABU treffen sich zur Erfassung der Bäume mit Höhlen oder Spalten in einem ca. 1ha großen Areal der Kranzeichen. In diesem Bereich waren im Jahr 2006 große Eichen und Buchen entnommen worden. Weitere Informationen zu dieser Aktion finden Sie unter Projekte 2007.

 

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