Rettung für den „Opel-Wald“

Rettung für den „Opel-Wald“

RHEINPFALZ, 06.01.2021
RHEINPFALZ, 06.01.2021

Naturschutzfachlich wichtigste Flächen sind vorläufig gerettet

Große Bereiche des Waldgebiets westlich von OPEL wurden für ein neues Industrie- und Gewerbegebiet gerodet. Seit 2008 engagiert sich der NABU in zahlreichen Exkursionen, bei Gesprächen mit Behörden und Politik, im Umwelt­ausschuss und im Naturschutzbeirat, damit die naturschutzfachlich wertvollsten Flächen erhalten und geschützt werden. Die vom NABU als Kompromiss am 11.04.2015 vorgeschlagene Fläche mit dauerhaftem Schutz der für den Artenschutz wichtigsten Bereiche und stattdessen Rodung der ökologisch minderwertigeren Bereiche nördlich der Straße wurde überwiegend so übernommen.

Die Rettung der alten Baum­bestände, der besonderen Feuchtflächen mit hohem Grund­wasser­stand und der trockenen Bereiche im Süden sehen wir als großen Erfolg für den Natur­schutz. Für die hervor­ragende Zusammen­arbeit und Unter­stützung bedan­ken wir uns bei der Unteren Natur­schutz­be­hörde der Stadt Kaisers­lautern und für die richtigen Ent­schei­dungen bei den betei­ligten Lokal­politikern im Stadtrat, Bau­ausschuss und Umwelt­ausschuss.

Sorge bereitet uns auch weiterhin, ob es gelingt trotz der groß­flächigen Bebau­ung im Nord­osten den Grund­wasser­stand auf der ver­blie­benen Fläche so hoch zu halten. Wir hoffen, dass die Grund­wasser­be­we­gun­gen nicht erheb­lich gestört werden und das Regen­wasser auf der zukünftig ver­siegelten Fläche durch wirkungs­volle Auf­lagen im Bebau­ungs­plan weiter im Gebiet versickern wird.
 

Was bisher geschah

Das Gebiet westlich des Werksgeländes von OPEL gehörte überwiegend der Firma OPEL. Es war im bisherigen Flächen­nutzungs­­plan als Erweiterungs­fläche für OPEL vorgesehen und als Industrie- und Gewerbe­fläche ausge­wiesen.

Da diese damals geplante Nutzung seit inzwischen über Jahrzehnte nicht umgesetzt wurde, konnten sich in diesem Gebiet unter­schiedliche, außer­gewöhn­liche Lebens­räume mit zahl­reichen seltenen Arten entwickeln. Eine Beson­der­heit ist auch die räumliche Nähe des wohl letzten Nieder­moores im Stadt­gebiet mit einem alten, außer­gewöhn­lichen Eichen- und Buchen­wald und mit sandigen Trocken­lebens­räumen im Süden des Gebietes. Auch bei der Flora gibt es im Gebiet außer­gewöhn­liche Raritäten wie beispiels­weise ein Vorkom­men der Rausch­beere im nord­west­lichen Bereich, die es in der Region so nicht wieder gibt.

 

In 2008 hat der NABU mitbekommen, dass für das Gebiet westlich von OPEL ein Bebauungsplan aufgestellt werden sollte. Da wir diese Fläche nicht kannten, haben wir am 27.04.2008 zu einer Exkursion eingeladen: Exkursion in den „OPEL-Wald” 2008. Diese Exkursion und ein faunistisches Gutachten über zahlreiche geschützte, dort noch vorkommende Tier- und Pflanzenarten bewirkten, dass wir uns seitdem gegenüber Politik und Verwaltung für den Schutz der herausragenden Teilflächen eingesetzt haben.

Am 11.04.2015 folgten über 40 Vertretern von Stadtrat, Umwelt­aus­schuss, Bau­aus­schuss und Naturschutzbeirat der Einladung des NABU zur Besichtigung: Ortsbegehung des Waldgebietes westlich von OPEL am 11.04.2015. Die Einladung wurde von den Natur­schutz­verbänden GNOR, Natur­freunde, Pollichia, BUND und SDW unterstützt. Grund war vor der in der folgenden Woche vorgesehenen Stadtrats­sitzung auf die Schutz­würdigkeit des Gebietes aufmerksam zu machen.Weitere Informationen finden Sie in der am 30.03.2015 vom NABU erstellten Einladung zur Ortsbegehung des Waldgebietes westlich von OPEL: 150330_Einladung_Exkursion_OPEL.pdf (458,0 KiB)

Hierdurch ist es uns gelungen, dass der Beschluss vertagt wurde und die Planung mit besserer Berücksichtigung des Naturschutzes sehr sorgfältig überarbeitet wurde. Der Bebauungsplan wurde am 18.03.2019 vom Stadtrat beschlossen. Den umfangreichen und guten Informationen zum Artenschutz und zu Ausgleichs­festsetzungen finden Sie hier:
04. Umweltbericht 9 MB   (Bewertung der Flächen / Bestände ab Seite 39)
05. Fachbeitrag Artenschutz 6 MB
06. FFH_Vorprüfung 2 MB

Für den NABU ist neben der gründlichen, den Naturschutz gut berücksichtigenden Gebietsauswahl insbesondere die Menge und Qualität der Sicherungs- und Ausgleichs­maßnahmen ein großer Erfolg. Bei der nun ausgewählten Fläche freuen wir uns, dass der ältere Buchenbestand im Süd-Westen des Planentwurfs von 2015 nun nicht mehr gerodet wird. Für die sehr gute Zusammenarbeit danken wir der Naturschutzbehörde der Stadt Kaiserslautern.

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